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Das grüne Wunder von der Beeke – doch 1. Bundesliga in Hannover?

21.05.2008 — Rugby

Am Samstag, 17.05.2008, bebte um 16:50 Uhr das Clubhaus des Deutschen Rugby-Clubs. Riesiger Jubel brach sich Bahn und aus vielen Kehlen klang das altbekannte: „immer wieder DRC“.
Was war geschehen? Nein, kein Meistertitel oder Pokalsieg wurde in Ricklingen bejubelt, wie es etliche Jahre der Fall war.
An diesem Samstagnachmittag wurde ein grandioser Sieg des Tabellenletzten DRC gegen den souveränen Tabellenführer Frankfurt 80 gefeiert.
Die Vorgeschichte: Eine völlig verkorkste Saison lag hinter den „Grünen“, die nach dem Busunfall nie wieder zu ihrer alten Stärke fanden, Abgänge einiger Leistungsträger und Langverletzte verkraften mussten.
Das schlechte Wetter tat ein Übriges, deshalb konnten wichtige Spiele z.B. gegen TSV Handschuhsheim und SC Neuenheim nicht auf eigenem Platz ausgetragen werden und wurden in letzter Minute verloren. Zu den Auswärtsspielen konnten nicht alle Spieler mitfahren und so musste manche Partie mit „dem letzten Aufgebot“ bestritten werden.

Am vorletzten Spieltag sah die Tabellensituation so aus, dass der DRC auf dem vorletzten Platz mit 2 Punkten vor RK Heusenstamm lag. Den direkten Vergleich hatten die Hessen für sich entschieden, also mussten die „Grünen“ in Berlin punkten und auf eine Niederlage des RKH am Neckar hoffen. Sportchef Torsten Schippe und Spielertrainer Mark Kuhlmann konnten ihre beste 15 auf den Platz bringen, doch das Pech der gesamten Saison setzte sich auch in Berlin fort. Nach 5 Minuten musste Jean-Christophe Detay verletzt das Spielfeld verlassen und nur eine Viertelstunde später folgte Hakler Michael Dörries mit einer Knieverletzung. Dennoch erarbeiteten sich die Hannoveraner viele Chancen, die leider oftmals vergeben wurden. Zweimal konnten sie einen Vorsprung der Berliner, die durch den überragenden Colin Grzanna zu Versuchen kamen, egalisieren und mussten sich am Ende doch mit 19:12 geschlagen geben. Und als I-Tüpfelchen kam die Nachricht aus Heidelberg, dass der RK Heusenstamm nach 12:25 Rückstand sein Spiel noch gedreht und mit 26:25 gewonnen hatte. Tiefe Trauer und Enttäuschung herrschten auf der Rückfahrt im Bus – wer sollte jetzt noch an den Nichtabstieg glauben. Der RK Heusenstamm durfte im letzten Spiel zu Hause gegen den Berliner RC antreten und die DRCer standen vor der schier unlösbaren Aufgabe SC Frankfurt 80 zu besiegen und gleichzeitig auf eine Heimniederlage der Hessen zu hoffen.

Strömender Regen vermieste den Verantwortlichen des Deutschen Rugby-Clubs den Samstagvormittag, das Wetter spiegelte die Stimmung wider. Erstaunlicher Weise fanden sich trotzdem viele Zuschauer ein, die aus den verschiedensten Gründen das Ende der Bundesliga-Ära des DRC miterleben wollten. Um 15:00 Uhr wurde das Spiel angepfiffen und die Ricklinger Fans trauten ihren Augen nicht – der Sturm der „Grünen“ setzte die Frankfurter gewaltig unter Druck und nicht der haushohe Favorit sondern der DRC legte zwei tolle Versuche, die beide von Verbinder Ludeke erhöht wurden. Frankfurt erzielte 3 Punkte durch Straftritt, so dass es 14:3 stand. Zum Ende der ersten Spielhälfte hatten die Hessen ihre stärkste Drangphase und die Hausherren erwarteten sehnsüchtig den Halbzeitpfiff – der allerdings auf sich warten ließ. So kam es wie es kommen musste, in der 47.!!! Minute kamen die Frankfurter zu einem Stürmerversuch, die Erhöhung misslang. Halbzeitstand: 14:8. Das Publikum hatte für diese lange Nachspielzeit kein Verständnis und ein Pfeifkonzert übertönte den Pfiff des Unparteiischen. Nach bewegenden Worten von Spielertrainer Mark Kuhlmann und Kapitän Andreas Muder zeigten die „Grünen“ in der zweiten Halbzeit ihre wahren Stärken: Geschlossenheit, Mannschaftsgeist und Durchhaltevermögen. Und was niemand zu hoffen wagte: nach Abpfiff hieß der Sieger DRC, mit 14:11 gegen Frankfurt. Ohrenbetäubender Jubel, die „Welle“ schwappte – Spieler, Offizielle, Fans lagen sich in den Armen. Jetzt hielten alle den Atem an, hektisch wurde telefoniert, doch es dauerte noch etliche Minuten, bis der erlösende Anruf aus Hessen kam, RKH hatte verloren, der DRC die Relegation erreicht. Dieser Grund zum Feiern wurde wahrlich ausgekostet, eine feucht-fröhliche Nacht folgte diesem aufregenden Nachmittag. Sicherlich hatte der nasse und tiefe Platz dazu beigetragen, dass die Frankfurter ihre technischen Qualitäten nicht ausspielen konnten – aber gewonnen hatten beherzte „Grüne“, die keinen Zentimeter Boden in Richtung ihres Malfeldes freiwillig preisgaben. Alle Spieler haben 150 % gegeben, nur so war diese Leistung möglich. Und doch soll ein Spieler besonders genannt werden, der 44-jährige!!! Hakler Stefan Diedrichs, der sich auch von seinem berühmten Gegenüber, dem Hakler der Fidji-Nationalmannschaft, nicht den Schneid abkaufen ließ. Hut ab!

Abschied wurde auch genommen – von Mark Kuhlmann, der sich seit über zwanzig Jahren für den Verein „zerrissen“ hat; als Spieler bzw. Spieler-Trainer alle Meisterschaften des DRC mit errungen hat und aus den Reihen der „Grünen“ kaum wegzudenken war. Wehmütig lassen die Ricklinger ihn „gen Süden“ ziehen, aber ein Dank von Herzen und viele gute Wünsche begleiten ihn in seine neue Heimat.

Für den DRC heißt es jetzt: die Ärmel hochkrempeln, das Relegationsspiel gewinnen und für die neue Saison planen. Wer geht? Wer bleibt? Wer wird Trainer? Wie stellt sich die finanzielle Situation dar? Diese Fragen können wir hoffentlich im nächsten Bericht beantworten. giha

[PM DRC Hannover, 21. Mai 2008, Gisela Hansen]

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